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Autorität ist ein vieldeutiger, ja schillernder Begriff: es wird von Machtpositionen bis zu fachlichen Koriphäen alles mögliche darunter verstanden. Deshalb muss jeweils geklärt werden, welche Bedeutung gelten soll.

Die bei Erziehenden und Führungskräften hilfreiche und brauchbare Autorität meint eine Beziehungsqualität. Sie begründet sich aus dem Kontakt, aus der Verbindung der Beteiligten. Diese Autorität ist weitgehend unabhängig von Amt oder Funktion. Es ist persönliche Autorität, die sich durch ihren Auftrag legitimiert (z.B. als Vater, Mutter, Lehrkraft, Führungskraft) sowie durch die Werte, die hinter ihr stehen und die sie vertritt.

Autorität entfaltet sich im Kontakt und in der persönlichen Bindung. Sie basiert grundsätzlich auf Vertrauen, Wertschätzung und Anerkennung des Gegenübers.


  • Was ist “gute” Autorität?

    "Gute" Autorität ist persönliche Autorität: Sie ist eng verbunden mit der Person und der Persönlichkeit der Autorität. Es handelt sich also nicht um eine Technik oder ein überall gleich wirksames Muster, sondern um eine Qualität von Beziehung.

    Autorität muss individuell gefüllt und dargestellt werden. Jede gute Autoritätsperson hat ihren eigenen Autoritätsstil. Ihn zu finden und weiter zu entwickeln ist eine Entwicklungsaufgabe - und ein Lernziel in unseren Autoritätstrainings.

    Als Beziehungsgeschehen ist Autorität eine zweiseitige Angelegenheit. Sie wird von der führenden Seite aktiv hergestellt: Autorität wird gezeigt, markiert, betont und erwünscht. Hier besteht das Risiko, sich selbst aufzuwerten (sich als etwas Besseres als die geführte Person zu bewerten) oder die eigene Position auszunutzen (Machtmissbrauch).

    Von der anderen, also der folgenden oder geführten Seite her wird Autorität geschenkt, verliehen und auch eingefordert. Dabei besteht das Risiko einer Idealisierung der führenden Person oder einer unkritischen Unterwerfung. Auch der Umgang mit Autorität und das angemessene Folgen wird erworben. Gute Autorität ist sich der Risiken bewusst und geht aktiv damit um.


  • Gibt es "natürliche" Autorität?

    Autorität ist nicht angeboren, sondern wird gelernt. Sie wird getan, verkörpert und ist dann erst "einfach da". In diesem Fall wird schnell auf die Natur verwiesen. Es wird z.B. von "natürlicher" Autorität gesprochen, was freilich nicht stimmt: denn gut führen zu können ist immer etwas Erworbenes, das sich aber echt und passend anfühlt.

    Wer aufmerksam ist kann Führung beobachten und als Vorgang erkennen und entschlüsseln. Das zeigt, dass Führung erlernt und auch bewusst hergestellt, gemacht werden kann.

    Auch wer einer Autoritätsperson folgt, macht dies in der Regel aus freier Entscheidung - und nicht wegen natürlicher Instinkte oder biologischer Magie. Autorität ist nicht statisch, sondern geschieht, sie ist Ereignis (Autorität tun). Dem entsprechend muss sie sich aufbauen, erprobt und gewonnen werden, und allen Beteiligten nützen.


  • Autorität tun!

    Autorität ist nach unserem Verständnis nichts, was eine Person "hat". Sie wird vielmehr gemacht und situativ immer wieder neu hergestellt: Wir "tun" Autorität und nur wer sie macht, "hat" sie. Autorität entsteht aktiv in Beziehung und ist als befriedigende Beziehungsqualität spürbar.

    In unseren Trainings und Seminare vermitteln wir praxisbezogen die Werkzeuge, die dafür nötig sind. Dabei handelt es sich um Komponenten, die Autorität in der Person verankern und nach außen vermitteln; zusammen stellen diese Komponenten eine Art "Technologie der Autorität" dar.

    Eltern, Erziehende oder Führungskräfte stellen Autorität über ihre innere Haltung und über ihr Verhalten her: Sie sagen "ja" zu sich als Autorität, sind anerkennend und wertschätzend, zeigen Respekt und Präsenz, markieren ihre Autorität durch ihre verbale und ihre Körpersprache, durch räumliches und ihr zeitliches Verhalten; sie gewähren Freiheiten, geben Regeln vor, gehen konsequent auf Regelverstöße ein usw..

    So entsteht persönliche Autorität im Alltag. Sie bewährt sich in der Krise, wird aber lange vorher initiiert und stabilisiert.

    Es gibt dabei allerdings keine "Tricks", die immer und überall wirken. Das kann es auch gar nicht geben, denn damit würde sich etwas unklares, unehrliches in die Beziehung einschleichen. Allerdings kennen wir Elemente, Beziehungswege und -formen, Markierungen für Autorität. Diese sind für die Autoritätspartner wichtig, um Autorität wahrnehmen und die Beziehung richtig interpretieren zu können. Und diese Elemente können gelernt, geübt und auf die eigene Situation hin angepasst werden.

    Diese Elemente gelingender persönlicher Autorität hängen eng mit der eigenen Person zusammen: mit der eigenen Autoritätsbiografie, mit eigenen Werten, körperlichen Bedingungen, Neigungen und Vorlieben. In unseren Seminaren können sie gelernt und geübt, verbessert und vertieft werden.


  • Geschlechter und Autorität

    Wie jede menschliche Beziehung beinhaltet auch Autorität geschlechtliche Seiten. In und über Autorität geschieht Geschlecht.

    Dabei geht es nicht um "typisch" Mann oder Frau. An Geschlechterbilder sind jedoch Erwartungen, Bewertungen, Verbote oder Erlaubnisse geknüpft, die im Zusammenhang mit Autorität relevant werden.

    Auf der einen Seite ist deshalb bedeutsam, wie eine Autoritätsperson ihr Geschlecht im Zusammenhang mit ihrem Autorität-Sein entwickelt hat und lebt. Auf der anderen Seite sind Zuschreibungen von Belang, die von den geführten Personen auf die Autoritätsperson hin vorgenommen werden. Beides wirkt in der Autoritätsbeziehung mit.

    Geschlechtliche Aspekte können also bedeutsam sein. Sie müssen nicht überbewertet werden, Autorität ist in vielen Fällen auch unabhängig vom Geschlecht, persönliche (z.B. der Charakter) oder andere kulturelle Faktoren sind gravierender. Aber ebenso oft ist Autorität geschlechtlich eingefärbt, was dann besonders in unklaren Situationen oder Krisenfällen wichtig wird.

    Vor diesem Hintergrund sind alle unsere Angebote und Projekte geschlechtsbezogen reflektiert und qualifiziert.